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Kein Herz für Schulkinder

„Wir stehen vor einem ganzen Bündel von Schwierigkeiten.“ Peter Stöckle, der CSU-Fraktionsvorsitzende im Bezirksausschuss Laim (BA 25), schätzt die baulichen und räumlichen Mängel an der Schule in Laims Schrobenhausener Straße als derartig gravierend ein, dass er darauf bestand, einen kompetenten Vertreter des Münchner Schulreferats zur nächsten Sitzung des BA zu laden. Stöckle: „Die Sache ist mit einer bloßen Anfrage nicht getan. Es besteht dringender Handlungsbedarf.“ Das beurteilen die Mitglieder der anderen Fraktionen im Lokalparlament ebenso. Das Referat müsse Farbe bekennen, weil es ums Wohl der Kinder an der Schule gehe. Johanna Marek, Rektorin der Grundschule und Rupert Knödl, Rektor der Hauptschule, hatten unter dem Applaus anwesender Eltern im BA ihre Besorgnis wegen der Probleme mit der Bausubstanz und der Enge in den Klassenzimmern geschildert. Zuvor hatten sich die beiden Schulleiter schon mit einem Hilferuf an den BA gewandt.

Es geht um „zwei Baustellen“. Um die marode Turnhalle, die von den Rektoren nach Entdecken neuer Risse in der Decke gesperrt worden war und um die augenfällige Raumnot an den Schulen. Beide nutzen gemeinsam ein Gebäude. Knödl informierte den BA darüber, dass jetzt doch sofort über ein Gerüst „handnah untersucht“ werden soll, ob unter den Rissen gefährliche Schäden entstanden sind, die Leib und Leben gefährden könnten. Rupert Knödl: „Weil die Verkleidung fehlt, ist nur das Skelett der Turnhalle sichtbar. Das ist alles nicht sehr vertrauenerweckend.“ Die Eltern sollten jetzt noch vor den Ferien über das ausgewertete Gutachten informiert werden, so Knödl. Der Hauptschulrektor ist seit August vorigen Jahres an der Schule. Schon 2008 habe es geheißen – ein Jahr zuvor war die Turnhalle wegen Einsturzgefahr erstmals geschlossen worden – die Generalinstandsetzung solle 2,5 Millionen, Abriss und Neubau sollten vier Millionen Euro kosten. Seitdem sei nichts mehr geschehen.

 

„Gesellschaftlich wichtig“

 

Der Schulleiter will, dass parallel geplant wird. Anders dauere es unter Umständen mehr als zwei Jahre, bis etwas geschehe. Das Schulreferat wolle sich erst dann mit dem Plan für einen Neubau befassen, wenn eine umfassende Sanierung auf keinen Fall in Frage komme. Die offene Ganztagesbetreuung und zwei Übergangsklassen, in denen Kinder aus Krisenregionen aufgefangen werden, gehören für Rupert Knödl zum Gesamtkonzept der Schule. Bei einem Anteil von über 70 Prozent Zuwanderern sei Hausaufgaben- und Nachmittagsbetreuung die einzige Chance, die aus ihrer vertrauten Umgebung gerissenen Kinder schnell deutsch lernen zu lassen und sie so zu integrieren: „Dem muss Rechnung getragen werden. Es ist gesellschaftlich sehr wichtig, sich dieser Kinder anzunehmen.“ Sie seien sonst sich selbst überlassen. In Laim sei es so gut wie aussichtslos einen Hortplatz zu ergattern.

Die Mittagsbetreuung an der Grundschule ist für Johanna Marek die Antwort auf die angespannte Hortsituation in Laim: „Wir haben vier Gruppen, die mittags betreut werden.“ Wegen fehlender Ausweichmöglichkeiten würden alle in Klassenzimmern verpflegt. Die Rektorin: „Das heißt, dass wir von 11.20 Uhr an keinen Unterricht mehr abhalten können.“ Für die Lehrer bedeute das, ständig Kompromisse eingehen zu müssen. Stefanie Junggunst (SPD), Vorsitzende des Unterausschusses (UA) Schule, Sport, Soziales und Alexandra Gaßmann (CSU), ebenfalls Mitglied das UA, bestätigten die Berichte der Lehrkräfte. Bei einem Ortstermin hatten sie sich von der Raumsituation und dem Zustand der Turnhalle ein Bild gemacht. Junggunst: „Es ist alles sehr beengt. Die Kinder müssen in Schichten essen. Da bleiben Konflikte mit den Kindern vom Nachmittagsunterricht nicht aus.“ Gaßmann erklärte, es sei ein unmöglicher Zustand, dass sich 70 Kinder in einem Raum drängen müssten, in dem andere Schüler äßen. Stefanie Junggunst fordert ein Raumkonzept, das Räume für die Mittagsbetreuung enthalte. Wie zuvor die Vorsitzende der SPD-Fraktion, Martha Mertens, verwies sie darauf, der Mehrjahres-Investitions-Plan 2010 bis 2014 habe auf Platz eins einen Pavillon für die Mittagsbetreuung enthalten. Junggunst: „Der kann doch nicht einfach verschwunden sein.“ Mertens stellte daraufhin den Antrag, der Stadtrat müsse den Pavillon für die Ganztagesbetreuung wieder ganz oben auf die Liste setzen und beschließen. Dem stimmte der gesamte BA zu.

 

„Keine Container“

 

Die Bitte der Rektoren an die Stadt, als Ausweichmöglichkeit zumindest Container aufzustellen, wird, wie es aussieht, nicht erfüllt werden. Elisabeth Weiß-Söllner, die bisherige Stadtschulrätin, hatte Josef Mögele (SPD), Vorsteher des BA Laim, wissen lassen, die räumlichen Defizite an der Schule schränkten den Schulbetrieb nicht so ein, dass ein ordnungsgemäßer Unterricht verhindert würde. Die Räume der Schule entsprächen fast dem Standardraumprogramm. Wörtlich heißt es: „Eine Aufstellung von Containern oder eine Erweiterung des Schulgebäudes zur Schaffung von Räumen für die Mittagsbetreuung kann leider nicht erfolgen.“ Schon vorher hatte Rupert Knödl aus dem Referat erfahren, der Bau eines Pavillons sei aufgrund der angespannten Haushaltslage derzeit nicht möglich. Die Pressesprecherin des Schulreferats, Eva-Maria Volland, erklärt den Umschwung so: „Vom Raumbedarf her ist der Pavillon für die Schule nicht mehr erforderlich. Sie ist mit Räumen ausreichend ausgestattet.“ Bei einer Generalsanierung der Turnhalle könne der Konditionsraum im ersten Stock möglicherweise für die Nachmittagsbetreuung hergerichtet werden.

Quelle: http://www.wochenanzeiger-muenchen.de/redaktion/lokalredaktion-muenchen/politik/Kein+Herz+f%C3%BCr+Schulkinder_24245.html

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